So, jetzt wird es ernst. Nachdem ich gestern bei meiner Betreuerin für die Magisterarbeit war, und sie mir nochmal viele hilfreiche Tipps gegeben hat, kann ich meine Arbeit anmelden. Der Titel wird lauten "Schüler, Pionier, Rebell. Kindheitskonstruktionen in Kinderbüchern der DDR." (man kommt ja doch irgendwie immer auf die ersten Überlegungen zurück...)
Heute Abend kann ich mir hoffentlich auch schon die erste Unterschrift auf meinem Formular besorgen (heute Abend ist wieder unser Kolloquium und mein Zweitprüfer müsste eigentlich auch kommen).
So, ich geh dann mal arbeiten und meine Fernleihen abholen (ungefähr 12 Lehrpläne der DDR hab ich bestellt, um den Zeitraum noch genauer eingrenzen zu können).
Bis denne,
die Isa
-->
So, ich habe es hinter mir! Meine Vorstellung im Kolloquium war heute Abend. Ich habe die Theorie für meine Magisterarbeit vorgestellt und meine KollegInnen haben mir mit reichlich Anmerkungen und Nachfragen weitergeholfen. Gerade was den Textcorpus angeht, habe ich einige Anlaufstellen genannt bekommen, bei denen ich noch weitere Infos bekommen kann. Das werde ich dann auch nächste Woche mal recherchieren.
Jetzt muss ich nur mal meiner Betreuerin eine Mail schreiben, vielleicht hat sie auch noch einen Vorschlag, wie ich den Textcorpus noch weiter eingrenzen kann - 15 Bücher sind einfach viel zu viel.
So, ich geh dann mal ins Bett. Meine Erkältung hat sich nämlich letzte Nacht mit grässlichen Halsschmerzen zurückgemeldet. Ich habe das Gefühl, meine Mandeln versuchen aus meinem Hals zu klettern... Meine Chefin fragte heute Morgen, wie es mir denn ginge (ich hatte mich letzte Woche ja krank gemeldet), leider mit dem Zusatz, dass ich ganz schön zerstört aussehe... Hm, und ich dachte, ich hätte mich wieder ganz gut hergestellt...
Naja, morgen plündere ich die Apotheke, dann wird das schon wieder. Diese Woche ist ja mein Männe auch zum pflegen da ;)
-->
Ich lese gerade Robinson Crusoe von Daniel Defoe und muss sagen: Ich mag das Buch nicht. Und ich kann auch genau sagen, woran es liegt:
Zum einen mag ich keine Geschichten aus der Ich-Perspektive. Kurzgeschichten etc. sehr gern, aber bei Romanen fängt mich der Protagonist spätestens ab Seite 30 an zu nerven. Diesmal war das schon auf Seite 3 so.
Zum anderen mag ich die Sprache nicht. Und erstrecht bin ich genervt wenn ungefähr in jedem dritten Satz das Wort "Neger" vorkommt. Ich weiß, ich weiß, zu der Zeit als das Buch geschrieben wurde war das eine Zuordnung, kein Schimpfwort. Trotzdem denke ich mir jedesmal: "Muss der das ständig sagen?".
Drittens, aber dafür kann das Buch ja nix: Es müffelt. Das passiert, wenn man Bücher längere Zeit irgendwo einschließt. (Was ich für eine Sünde halte. Jedes Buch sollte mindestens einmal im Jahr zumindest durchgeblättert werden und atmen!) Jedenfalls ist das kein Buch, dass ich im bett lesen möchte, danach hab ich das Gefühl ich müsste neu beziehen. Ich mag keine müffeligen Bücher...
Da ich den Text für das Kolloquium soweit fertig habe werde ich also erstmal wieder eine Runde lesen. 200 Seiten sind es noch (das Nachwort der DDR-Ausgabe kann ich mir schließlich nicht entgehen lassen!), das sollte ich bis Anfang nächster Woche hinter mich gebracht haben.
-->
Soviele Seiten habe ich schon über meine Methode (Qualitative Inhaltsanalyse) geschrieben. Erstmal nur den grundlegenden theoretischen Teil, das "Füllmaterial" wird dann noch später reingehauen. Aber das schaff ich für die Kolloquiumssitzung nicht mehr.
Gleich aber, gleich wird es richtig spannend! Gleich werde ich versuchen in den theoretischen Kram meine eigene Untersuchung reinzupacken! Mal schauen, wieviele Seiten das dann noch werden. Und dann darf der Göttergatte sich das nochmal durchlesen und dann geht es ab in den Verteiler vom Kolloquium und zur Betreuerin. Und dann Gnade mir Gott.. naja, vielleicht nicht Gott, vielleicht lieber Buddha, der ist mir irgendwie sympathischer, der ist nicht so zornig.
-->
Diese Woche war mal echt eine anstrengende aber auch produktive Woche. Es gab viel zu tun, und eigentlich fühlen sich die letzten vier Tage mindestens wie doppelt soviel an.
Ich hab dafür, dass ich nebenbei noch recht viel gearbeitet habe, doch auch viel für die Magisterarbeit geschafft, so dass die Besprechung mit meiner Betreuerin heute richtig gut lief. Allerdings bleibt die Methodenfrage immernoch offen, ich hoffe nächste Woche eine Entscheidung getroffen zu haben, nachdem ich mir nochmal ganz genau angeschaut habe, ob ich mein Thema in eine Diskursanalyse bekomme, ansonsten wird es "einfach" eine Inhaltsanalyse, hat meine Betreuerin vorgeschlagen.
Back to the roots, sag ich da mal! Außerdem haben wir über das Phänomen Harry Potter geredet und wie sehr es einen in den Bann zeihen kann - war also ein sehr nettes Gespräch.
Außerdem habe ich heute von meiner Chefin ein Lob für den Reader bekommen, den ich für eines ihrer Seminare zusammengestellt habe. Das Seminar heißt "Strafe und Erziehung" und damit das Deckblatt nicht so langweilig aussieht habe ich ein Bild aus Max und Moritz vorn drauf gemacht - fand sie ganz toll. Wenn nächste Woche noch einer übrig ist, bekomm ich ein Exemplar. Also hoffe ich jetzt inständig, dass noch ein paar Studis vom Seminar abspringen und sich den Reader nicht abholen.

-->
Ich befasse mich ja gerade mit Diskursanalyse und Diskurstheorie um diese für meine Magisterarbeit zu nutzen. Also habe ich mir viele viele Bücher in unserer Universitätsbibliothek ausgeliehen und einige auch über Fernleihen bestellt. Nun sitze ich also seit ein paar Tagen an meinem Schreibtisch und versuche durch den Wust an Informationen zu blicken. Und ich erinnere mich, warum ich während meines Studiums Methodik immer umgangen bin - es verwirrt mich total!
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Methoden sind meiner Meinung nach so minimal, dass ich immer nicht verstehen kann, dass jeder Forscher immer gleich seinen eigenen Namen für seine Untersuchung erfinden muss. Oft liegt der Unterschied nur in Kleinigkeiten.
In dem Buch, das ich zur Zeit lese - Reiner Keller: Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen - werden 6 Ansätze der Diskursforschung vorgestellt, den Exkurs in die Diskursethik nehme ich mal ganz aus. Und der einzige Unterschied ist eigentlich, dass die Themenschwerpunkte einen anderen Fokus benötigen und deshalb auch andere Begrifflichkeiten benutzt werden. Bis auf die linguistische DA (Diskursanalyse), die sehr textimmanent bleibt, ist der Grundstein für eine DA eine Textanalyse, die dann in Kontext gesetzt wird, je nachdem was die Fragestellung ist und in welchen Bereich die Untersuchung fällt.
Wie aber so eine Analyse genau aussieht, das habe ich bisher nur zwischen den Zeilen herausfinden können, und das ist ehrlich gesagt nichts anderes als den Text mehrmals lesen und Auffälligkeiten aufschreiben und sie Kategorien zuordnen - das habe ich mal als Hermeneutik kennengelernt. Und tatsächlich wird im dritten Kapitel des genannten Buches auch erklärt, dass die DA "immer und notwendig ein Prozess hermeneutischer Textauslegung" sei.
Der Zauber der Diskursanalyse besteht also darin den Text in seinen Kontext zu setzen? Und dafür braucht es 6 verschiedene Variationen?
Schön ist auch die Anmerkung, dass es kein Rezept für eine gute Analyse gibt und man je nachdem was das Thema ist, in welche wissenschaftliche Disziplin es fällt etc., man die Arbeitsschritte anpassen muss. Darf ich mir dann auch einen eigenen Namen für meine Untersuchungsmethode ausdenken? [Ich bin ja für diskursanalytische Textinterpretation, und ich könnte sogar erklären warum ich diesen Namen für richtig und passend halte! Aber das mache ich dann vielleicht als Doktorarbeit :P]
Meine Überlegungen also zu meiner Arbeit:
Ich habe 15 Kinderbücher, die im Schulunterricht der DDR behandelt wurden, dazu möchte ich noch 5-10 Kinderbücher nehmen, die sehr beliebt waren, aber nicht im Schulunterricht vorkamen. Diesen Textkorpus möchte ich dann daraufhin untersuchen, wie Kind und Kindheit dargestellt werden.
Daneben habe ich 3 Gesetzestexte, die sich ebenfalls mit Kindheit befassen, und die dann mit den in den Kinderbüchern gefundenen Darstellungen verglichen werden sollen. Das wäre dann die Textanalyse.
Die Texte stammen (fast) alle aus der DDR oder anderen sozialistischen Ländern, also bette ich die Texte in ihren historischen Kontext ein, schaue wie die Rezeption der Bücher in der DDR aussah, was für politische Geschehen zeitgleich stattgefunden haben, wie die politische und soziale Situation der Rezipienten aussah und was mir sonst noch über den Weg läuft. Daraus müsste ich dann erschließen können, wie Kindheit und das Bild vom Kind in der DDR konstruiert wurde - also wie der Kindheits-Diskurs der DDR aussah. Vermutlich greife ich dabei auch auf frühere Texte z.B. von Clara Zetkin etc. zurück.
Jetzt muss nur noch meine Betreuerin einverstanden sein, dann kann ich mit den Analysen anfangen, den eigentlich sollte ich heute eine kleine Bücherkiste bekommen, die ich bei Ebay erstanden habe, mit dem zweiten Schwung der Kinderbücher, die ich untersuchen will (den ersten Stapel hab ich ja schon hier liegen, und der dritte Stapel wird dann wohl nach und nach bei Ebay erstanden).
Exkurs: Wie stelle ich einen Korpus zusammen
Einige wissen ja, dass die Zusammenstellung eines Textkorpus gar nicht so einfach war, weil es keine Bestseller-Listen oder etwas ähnliches von Kinderbüchern in der DDR gibt. Durch einen Hinweis habe ich mir die Erläuterungen zum Lehrplan Literaturder DDR angeschaut und eine Liste mit Büchern gefunden, an denen die SchülerInnen "systematische Ausbildung der Fähigkeit, umfangreiche epische Werke zu lesen" lernen sollten.
"Bei diesen Büchern, in denen die Handlungsgeschehen und Figurenentwicklung einen unmittelbaren Bezug zum Erfahrungs- und Lebensbereich der Schüler aufweisen, das Erzählte an eine jugendliche Hauptfigur gebunden ist, kann der Lehrer mit einer positiven Erwartungshaltung der Schüler rechnen und sie für die Arbeit am Text nutzen[...]"
Toll, damit hatte ich dann doch gleich meinen ersten Teil des Korpus und kann schauen was ich sonst noch schönes im Lehrplan an Erläuterungen finde, um meinen Diskurs zu verdichten.
Aber ich will ja nicht nur die Sicht "der Mächtigen" auf die Kindheit (denn deswegen wurden ja gerade diese Bücher für den Schulunterricht ausgesucht, weil sie ein bild vermitteln, das politisch gewollt war), also reichere ich meinen Korpus mit weiteren Kinderbüchern an. Dazu habe ich im Buch "Das große Buch der DDR-Kindergeschichten" nachgeschlagen. Wieviele ich davon dann nehmen werde muss ich noch besprechen, aber der Grund, warum ich den Textkorpus erweitert habe ich einleuchtend: Zum einen habe ich mehr Material, zum anderen ist davon auszugehen, dass in dem zweiten Korpus weitere Bilder von Kindheit auftauchen, die im ersten Korpus nicht auftauchen würden - Kinderfiguren, die kritisch ihre Umwelt betrachten.
Ob das alles so in Ordnung geht und ich nicht irgendwo einen Denkfehler habe, wird mir meine Betreuerin sicher sagen.
Aber ich hoffe natürlich auch hier auf zahlreiche konstruktive Kommentare mit Anmerkungen und Ratschlägen. Darüber würde ich mich wirklich sehr freuen!
Ich geh mir dann mal eine zweite Tasse Kaffee kochen und lese weiter nach, was Diskursanalyse ist.
-->