Diskursanalyse
Ich befasse mich ja gerade mit Diskursanalyse und Diskurstheorie um diese für meine Magisterarbeit zu nutzen. Also habe ich mir viele viele Bücher in unserer Universitätsbibliothek ausgeliehen und einige auch über Fernleihen bestellt. Nun sitze ich also seit ein paar Tagen an meinem Schreibtisch und versuche durch den Wust an Informationen zu blicken. Und ich erinnere mich, warum ich während meines Studiums Methodik immer umgangen bin - es verwirrt mich total!
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Methoden sind meiner Meinung nach so minimal, dass ich immer nicht verstehen kann, dass jeder Forscher immer gleich seinen eigenen Namen für seine Untersuchung erfinden muss. Oft liegt der Unterschied nur in Kleinigkeiten.
In dem Buch, das ich zur Zeit lese - Reiner Keller: Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen - werden 6 Ansätze der Diskursforschung vorgestellt, den Exkurs in die Diskursethik nehme ich mal ganz aus. Und der einzige Unterschied ist eigentlich, dass die Themenschwerpunkte einen anderen Fokus benötigen und deshalb auch andere Begrifflichkeiten benutzt werden. Bis auf die linguistische DA (Diskursanalyse), die sehr textimmanent bleibt, ist der Grundstein für eine DA eine Textanalyse, die dann in Kontext gesetzt wird, je nachdem was die Fragestellung ist und in welchen Bereich die Untersuchung fällt.
Wie aber so eine Analyse genau aussieht, das habe ich bisher nur zwischen den Zeilen herausfinden können, und das ist ehrlich gesagt nichts anderes als den Text mehrmals lesen und Auffälligkeiten aufschreiben und sie Kategorien zuordnen - das habe ich mal als Hermeneutik kennengelernt. Und tatsächlich wird im dritten Kapitel des genannten Buches auch erklärt, dass die DA "immer und notwendig ein Prozess hermeneutischer Textauslegung" sei.
Der Zauber der Diskursanalyse besteht also darin den Text in seinen Kontext zu setzen? Und dafür braucht es 6 verschiedene Variationen?
Schön ist auch die Anmerkung, dass es kein Rezept für eine gute Analyse gibt und man je nachdem was das Thema ist, in welche wissenschaftliche Disziplin es fällt etc., man die Arbeitsschritte anpassen muss. Darf ich mir dann auch einen eigenen Namen für meine Untersuchungsmethode ausdenken? [Ich bin ja für diskursanalytische Textinterpretation, und ich könnte sogar erklären warum ich diesen Namen für richtig und passend halte! Aber das mache ich dann vielleicht als Doktorarbeit :P]
Meine Überlegungen also zu meiner Arbeit:
Ich habe 15 Kinderbücher, die im Schulunterricht der DDR behandelt wurden, dazu möchte ich noch 5-10 Kinderbücher nehmen, die sehr beliebt waren, aber nicht im Schulunterricht vorkamen. Diesen Textkorpus möchte ich dann daraufhin untersuchen, wie Kind und Kindheit dargestellt werden.
Daneben habe ich 3 Gesetzestexte, die sich ebenfalls mit Kindheit befassen, und die dann mit den in den Kinderbüchern gefundenen Darstellungen verglichen werden sollen. Das wäre dann die Textanalyse.
Die Texte stammen (fast) alle aus der DDR oder anderen sozialistischen Ländern, also bette ich die Texte in ihren historischen Kontext ein, schaue wie die Rezeption der Bücher in der DDR aussah, was für politische Geschehen zeitgleich stattgefunden haben, wie die politische und soziale Situation der Rezipienten aussah und was mir sonst noch über den Weg läuft. Daraus müsste ich dann erschließen können, wie Kindheit und das Bild vom Kind in der DDR konstruiert wurde - also wie der Kindheits-Diskurs der DDR aussah. Vermutlich greife ich dabei auch auf frühere Texte z.B. von Clara Zetkin etc. zurück.
Jetzt muss nur noch meine Betreuerin einverstanden sein, dann kann ich mit den Analysen anfangen, den eigentlich sollte ich heute eine kleine Bücherkiste bekommen, die ich bei Ebay erstanden habe, mit dem zweiten Schwung der Kinderbücher, die ich untersuchen will (den ersten Stapel hab ich ja schon hier liegen, und der dritte Stapel wird dann wohl nach und nach bei Ebay erstanden).
Exkurs: Wie stelle ich einen Korpus zusammen
Einige wissen ja, dass die Zusammenstellung eines Textkorpus gar nicht so einfach war, weil es keine Bestseller-Listen oder etwas ähnliches von Kinderbüchern in der DDR gibt. Durch einen Hinweis habe ich mir die Erläuterungen zum Lehrplan Literaturder DDR angeschaut und eine Liste mit Büchern gefunden, an denen die SchülerInnen "systematische Ausbildung der Fähigkeit, umfangreiche epische Werke zu lesen" lernen sollten.
"Bei diesen Büchern, in denen die Handlungsgeschehen und Figurenentwicklung einen unmittelbaren Bezug zum Erfahrungs- und Lebensbereich der Schüler aufweisen, das Erzählte an eine jugendliche Hauptfigur gebunden ist, kann der Lehrer mit einer positiven Erwartungshaltung der Schüler rechnen und sie für die Arbeit am Text nutzen[...]"
Toll, damit hatte ich dann doch gleich meinen ersten Teil des Korpus und kann schauen was ich sonst noch schönes im Lehrplan an Erläuterungen finde, um meinen Diskurs zu verdichten.
Aber ich will ja nicht nur die Sicht "der Mächtigen" auf die Kindheit (denn deswegen wurden ja gerade diese Bücher für den Schulunterricht ausgesucht, weil sie ein bild vermitteln, das politisch gewollt war), also reichere ich meinen Korpus mit weiteren Kinderbüchern an. Dazu habe ich im Buch "Das große Buch der DDR-Kindergeschichten" nachgeschlagen. Wieviele ich davon dann nehmen werde muss ich noch besprechen, aber der Grund, warum ich den Textkorpus erweitert habe ich einleuchtend: Zum einen habe ich mehr Material, zum anderen ist davon auszugehen, dass in dem zweiten Korpus weitere Bilder von Kindheit auftauchen, die im ersten Korpus nicht auftauchen würden - Kinderfiguren, die kritisch ihre Umwelt betrachten.
Ob das alles so in Ordnung geht und ich nicht irgendwo einen Denkfehler habe, wird mir meine Betreuerin sicher sagen.
Aber ich hoffe natürlich auch hier auf zahlreiche konstruktive Kommentare mit Anmerkungen und Ratschlägen. Darüber würde ich mich wirklich sehr freuen!
Ich geh mir dann mal eine zweite Tasse Kaffee kochen und lese weiter nach, was Diskursanalyse ist.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Methoden sind meiner Meinung nach so minimal, dass ich immer nicht verstehen kann, dass jeder Forscher immer gleich seinen eigenen Namen für seine Untersuchung erfinden muss. Oft liegt der Unterschied nur in Kleinigkeiten.
In dem Buch, das ich zur Zeit lese - Reiner Keller: Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen - werden 6 Ansätze der Diskursforschung vorgestellt, den Exkurs in die Diskursethik nehme ich mal ganz aus. Und der einzige Unterschied ist eigentlich, dass die Themenschwerpunkte einen anderen Fokus benötigen und deshalb auch andere Begrifflichkeiten benutzt werden. Bis auf die linguistische DA (Diskursanalyse), die sehr textimmanent bleibt, ist der Grundstein für eine DA eine Textanalyse, die dann in Kontext gesetzt wird, je nachdem was die Fragestellung ist und in welchen Bereich die Untersuchung fällt.
Wie aber so eine Analyse genau aussieht, das habe ich bisher nur zwischen den Zeilen herausfinden können, und das ist ehrlich gesagt nichts anderes als den Text mehrmals lesen und Auffälligkeiten aufschreiben und sie Kategorien zuordnen - das habe ich mal als Hermeneutik kennengelernt. Und tatsächlich wird im dritten Kapitel des genannten Buches auch erklärt, dass die DA "immer und notwendig ein Prozess hermeneutischer Textauslegung" sei.
Der Zauber der Diskursanalyse besteht also darin den Text in seinen Kontext zu setzen? Und dafür braucht es 6 verschiedene Variationen?
Schön ist auch die Anmerkung, dass es kein Rezept für eine gute Analyse gibt und man je nachdem was das Thema ist, in welche wissenschaftliche Disziplin es fällt etc., man die Arbeitsschritte anpassen muss. Darf ich mir dann auch einen eigenen Namen für meine Untersuchungsmethode ausdenken? [Ich bin ja für diskursanalytische Textinterpretation, und ich könnte sogar erklären warum ich diesen Namen für richtig und passend halte! Aber das mache ich dann vielleicht als Doktorarbeit :P]
Meine Überlegungen also zu meiner Arbeit:
Ich habe 15 Kinderbücher, die im Schulunterricht der DDR behandelt wurden, dazu möchte ich noch 5-10 Kinderbücher nehmen, die sehr beliebt waren, aber nicht im Schulunterricht vorkamen. Diesen Textkorpus möchte ich dann daraufhin untersuchen, wie Kind und Kindheit dargestellt werden.
Daneben habe ich 3 Gesetzestexte, die sich ebenfalls mit Kindheit befassen, und die dann mit den in den Kinderbüchern gefundenen Darstellungen verglichen werden sollen. Das wäre dann die Textanalyse.
Die Texte stammen (fast) alle aus der DDR oder anderen sozialistischen Ländern, also bette ich die Texte in ihren historischen Kontext ein, schaue wie die Rezeption der Bücher in der DDR aussah, was für politische Geschehen zeitgleich stattgefunden haben, wie die politische und soziale Situation der Rezipienten aussah und was mir sonst noch über den Weg läuft. Daraus müsste ich dann erschließen können, wie Kindheit und das Bild vom Kind in der DDR konstruiert wurde - also wie der Kindheits-Diskurs der DDR aussah. Vermutlich greife ich dabei auch auf frühere Texte z.B. von Clara Zetkin etc. zurück.
Jetzt muss nur noch meine Betreuerin einverstanden sein, dann kann ich mit den Analysen anfangen, den eigentlich sollte ich heute eine kleine Bücherkiste bekommen, die ich bei Ebay erstanden habe, mit dem zweiten Schwung der Kinderbücher, die ich untersuchen will (den ersten Stapel hab ich ja schon hier liegen, und der dritte Stapel wird dann wohl nach und nach bei Ebay erstanden).
Exkurs: Wie stelle ich einen Korpus zusammen
Einige wissen ja, dass die Zusammenstellung eines Textkorpus gar nicht so einfach war, weil es keine Bestseller-Listen oder etwas ähnliches von Kinderbüchern in der DDR gibt. Durch einen Hinweis habe ich mir die Erläuterungen zum Lehrplan Literaturder DDR angeschaut und eine Liste mit Büchern gefunden, an denen die SchülerInnen "systematische Ausbildung der Fähigkeit, umfangreiche epische Werke zu lesen" lernen sollten.
"Bei diesen Büchern, in denen die Handlungsgeschehen und Figurenentwicklung einen unmittelbaren Bezug zum Erfahrungs- und Lebensbereich der Schüler aufweisen, das Erzählte an eine jugendliche Hauptfigur gebunden ist, kann der Lehrer mit einer positiven Erwartungshaltung der Schüler rechnen und sie für die Arbeit am Text nutzen[...]"
Toll, damit hatte ich dann doch gleich meinen ersten Teil des Korpus und kann schauen was ich sonst noch schönes im Lehrplan an Erläuterungen finde, um meinen Diskurs zu verdichten.
Aber ich will ja nicht nur die Sicht "der Mächtigen" auf die Kindheit (denn deswegen wurden ja gerade diese Bücher für den Schulunterricht ausgesucht, weil sie ein bild vermitteln, das politisch gewollt war), also reichere ich meinen Korpus mit weiteren Kinderbüchern an. Dazu habe ich im Buch "Das große Buch der DDR-Kindergeschichten" nachgeschlagen. Wieviele ich davon dann nehmen werde muss ich noch besprechen, aber der Grund, warum ich den Textkorpus erweitert habe ich einleuchtend: Zum einen habe ich mehr Material, zum anderen ist davon auszugehen, dass in dem zweiten Korpus weitere Bilder von Kindheit auftauchen, die im ersten Korpus nicht auftauchen würden - Kinderfiguren, die kritisch ihre Umwelt betrachten.
Ob das alles so in Ordnung geht und ich nicht irgendwo einen Denkfehler habe, wird mir meine Betreuerin sicher sagen.
Aber ich hoffe natürlich auch hier auf zahlreiche konstruktive Kommentare mit Anmerkungen und Ratschlägen. Darüber würde ich mich wirklich sehr freuen!
Ich geh mir dann mal eine zweite Tasse Kaffee kochen und lese weiter nach, was Diskursanalyse ist.
isabel. - 6. Okt, 10:56




