Die vier Versprechen der Uni Ka
Die Universität Kassel hat vor kurzem eine Pressemitteilung veröffentlicht, die seit dem die Homepage der Uni immer wieder ziert und mich schier zur Weißglut treibt.
Die Uni preist dabei die durch die Studienbeiträge finanzierten "Verbesserungen" an, ohne auch nur darauf hinzuweisen, dass gegen das Studienbeitragsgesetz der hessischen Landesregierung eine Verfassungsklage läuft. Außerdem sind die "vier Versprechen", die eindeutig als Werbemaßnahmen für Erstsemester anzusehen sind, derart utopisch und unhinterfragt, dass man eigentlich nur den Kopf schütteln kann.
Versprechen 1: Das „Gute-Bedingungen-Versprechen“
Wir schaffen die Voraussetzungen für Ihren Studienerfolg - mit zusätzlichen Räumen für Seminare und Veranstaltungen, mit mehr als 600 neuen Tutorien, durch mehr als 7.000 Stunden zusätzlicher Beratung, durch ein Service Center Lehre, E-Learning und Online-Service, Sprachkurse, erweiterten Öffnungszeiten der Bibliothek und Ausstattung von Computer-, Labor- und Arbeitsplätzen.
Versprechen 2: Das „Leistung-zahlt-sich-aus-Versprechen“
Wir wollen die Besten und befreien alle Studienanfänger mit einem Schulnotendurchschnitt von 1,9 und besser für die ersten vier Studiensemester. Aber auch für Ihre he-rausragenden Leistungen während des Studiums gilt das „Leistung-zahlt-sich-aus-Versprechen“. Die zehn Prozent Jahresbesten eines Studiengangs ab dem 5. Semester werden von den Studienbeiträgen befreit. Bei den postgradualen Masterstudiengängen erhalten sogar 20 Prozent der Jahresbesten Freiplätze.
Versprechen 3: Das „Jobs-an-der-Uni-Versprechen“
Den eigenen Studienbeitrag an der Uni verdienen: Das steckt hinter dem „Jobs-an-der-Uni-Versprechen“. Denn mit den Studienbeiträgen wird die Uni Kassel insgesamt 1000 zusätzliche studentische Jobs wie etwa Tutorien einrichten. Das ist nicht nur gut für den Studienerfolg, sondern auch für das eigene Portemonnaie - und für eine mögliche spätere Karriere in der Wissenschaft und Lehre.
Versprechen 4: Das „Sichtbarer-Beitrag-Versprechen“
Kasseler Studentinnen und Studenten können unmittelbar verfolgen, wo ihre Studienbeiträge bleiben. Das „Sichtbarer-Beitrag-Versprechen“ bedeutet, dass alle Aktivitäten, die mit Studienbeiträgen finanziert werden, gläsern sind: Transparente Projekte, sichtbar, spürbar, kontrollierbar.
In der Pressemitteilung wird außerdem davon gesprochen, Studieren müsse keine Frage des Geldes sein. Hm, ich weiß nicht, aber ich kann eindeutig nur studieren, wenn ich irgendwo wohnen kann, etwas zu essen habe und ich mir auch die Bücher leisten kann. 700€ pro Semester ( 200€ Semesterbeitrag + 500€ Studienbeitrag) bedeutet für mich entweder unter die Brücke zu ziehen oder einen Kredit aufzunehmen. Im übrigen arbeite ich schon nebenbei, mehr arbeiten kann ich also nicht und ich komm trotzdem gerade so hin. Mal davon abgesehen, dass Bafög ja auch schon ein Darlehen ist, das zu einem teil zurückgezahlt werden muss. Und dann muss ich noch einen Kredit aufnehmen um mir die Studiengebühren leisten zu können, und dann sagt das Uni-Präsidium, Studieren ist keine Frage des Geldes! Wo leben die denn?
Anstatt solcher kaum überlegten Versprechen hätte ich gern die Aussage des Präsidiums der UniKa, dass sie Studienbeiträge ebenfalls als unsozial ansehen und den Boykott der Studierenden unterstützen und niemanden exmatrikulieren, der den Studienbeitrag nicht zahlt. Aber das Präsidium fährt da anscheinend einen ganz anderen Kurs...
Die Uni preist dabei die durch die Studienbeiträge finanzierten "Verbesserungen" an, ohne auch nur darauf hinzuweisen, dass gegen das Studienbeitragsgesetz der hessischen Landesregierung eine Verfassungsklage läuft. Außerdem sind die "vier Versprechen", die eindeutig als Werbemaßnahmen für Erstsemester anzusehen sind, derart utopisch und unhinterfragt, dass man eigentlich nur den Kopf schütteln kann.
Versprechen 1: Das „Gute-Bedingungen-Versprechen“
Wir schaffen die Voraussetzungen für Ihren Studienerfolg - mit zusätzlichen Räumen für Seminare und Veranstaltungen, mit mehr als 600 neuen Tutorien, durch mehr als 7.000 Stunden zusätzlicher Beratung, durch ein Service Center Lehre, E-Learning und Online-Service, Sprachkurse, erweiterten Öffnungszeiten der Bibliothek und Ausstattung von Computer-, Labor- und Arbeitsplätzen.
- Die zusätzlichen Räume werden höchstwahrscheinlich Büroräume, irgendwo in der Stadt werden (vermutlich im Hauptpostgebäude). Das heißt, keine ordentliche Ausstattung und die Angemessenheit der Raumgrößen ist auch zu bezweifeln.
- 600 Tutorien? Wo sollen die Studis denn alle herkommen und was sollen die unterrichten? Ist ja gut, dass man sich StudentIn an der Uni arbeiten kann, aber es sollte auch sinnvolle Arbeit sein, oder?
Versprechen 2: Das „Leistung-zahlt-sich-aus-Versprechen“
Wir wollen die Besten und befreien alle Studienanfänger mit einem Schulnotendurchschnitt von 1,9 und besser für die ersten vier Studiensemester. Aber auch für Ihre he-rausragenden Leistungen während des Studiums gilt das „Leistung-zahlt-sich-aus-Versprechen“. Die zehn Prozent Jahresbesten eines Studiengangs ab dem 5. Semester werden von den Studienbeiträgen befreit. Bei den postgradualen Masterstudiengängen erhalten sogar 20 Prozent der Jahresbesten Freiplätze.
- 10% der Studierenden sollen von den Beiträgen befreit werden. Was ist aber, wenn sich mehr als die entsprechende Anzahl einschreiben möchte? Was passiert wenn mehr als die entsprechende Anzahl einen so guten Notendurchschnitt im 4. Semester hat, dass sie befreit werden können? Wer zuerst kommt mahlt zuerst oder was? Das hat ja dann aber nichts mehr mit Leistung zu tun, oder? Und was ist eigentlich mit den StudentInnen der alten Studienordnungen, die keine benoteten Scheine bekommen? Die zahlen ja wohl auch für ihr Studium!
- Was ist eigentlich mit StudentInnen, die eine Familie zu versorgen haben oder aufgrund anderer Dinge befreit werden sollten? Wieso steht das nicht in den Versprechen? Will die mit einem Zertifikat "familiengerechte Universität" gelobte Uni etwa ihre "Ziegruppe" ändern?
Versprechen 3: Das „Jobs-an-der-Uni-Versprechen“
Den eigenen Studienbeitrag an der Uni verdienen: Das steckt hinter dem „Jobs-an-der-Uni-Versprechen“. Denn mit den Studienbeiträgen wird die Uni Kassel insgesamt 1000 zusätzliche studentische Jobs wie etwa Tutorien einrichten. Das ist nicht nur gut für den Studienerfolg, sondern auch für das eigene Portemonnaie - und für eine mögliche spätere Karriere in der Wissenschaft und Lehre.
- Das kam bei Punkt 2 ja schon: Was sollen die denn alles machen? Hat dann jeder Prof zwei HiWis, die Kaffeekochen gehen, weil es sonst nichts zu tun gibt?
Versprechen 4: Das „Sichtbarer-Beitrag-Versprechen“
Kasseler Studentinnen und Studenten können unmittelbar verfolgen, wo ihre Studienbeiträge bleiben. Das „Sichtbarer-Beitrag-Versprechen“ bedeutet, dass alle Aktivitäten, die mit Studienbeiträgen finanziert werden, gläsern sind: Transparente Projekte, sichtbar, spürbar, kontrollierbar.
- Davon gehe ich einfach mal aus, dass ich auch sehe, wohin mein Geld geht! Obwohl, von den 50€ Verwaltungskostenbeitrag weiß ich bisher immernoch nicht wirklich, was damit eigentlich finanziert wird.
In der Pressemitteilung wird außerdem davon gesprochen, Studieren müsse keine Frage des Geldes sein. Hm, ich weiß nicht, aber ich kann eindeutig nur studieren, wenn ich irgendwo wohnen kann, etwas zu essen habe und ich mir auch die Bücher leisten kann. 700€ pro Semester ( 200€ Semesterbeitrag + 500€ Studienbeitrag) bedeutet für mich entweder unter die Brücke zu ziehen oder einen Kredit aufzunehmen. Im übrigen arbeite ich schon nebenbei, mehr arbeiten kann ich also nicht und ich komm trotzdem gerade so hin. Mal davon abgesehen, dass Bafög ja auch schon ein Darlehen ist, das zu einem teil zurückgezahlt werden muss. Und dann muss ich noch einen Kredit aufnehmen um mir die Studiengebühren leisten zu können, und dann sagt das Uni-Präsidium, Studieren ist keine Frage des Geldes! Wo leben die denn?
Anstatt solcher kaum überlegten Versprechen hätte ich gern die Aussage des Präsidiums der UniKa, dass sie Studienbeiträge ebenfalls als unsozial ansehen und den Boykott der Studierenden unterstützen und niemanden exmatrikulieren, der den Studienbeitrag nicht zahlt. Aber das Präsidium fährt da anscheinend einen ganz anderen Kurs...
isabel. - 16. Jul, 12:20




